Wenn Arbeitsschutz auf dem Papier funktioniert und in der Praxis nicht

Die Gefährdungsbeurteilung liegt vor. Die Unterweisungen sind unterschrieben. Die Begehung war in Ordnung. Und trotzdem passiert immer wieder dasselbe.

Das ist kein Dokumentationsproblem. Wenn Regeln bekannt sind und trotzdem nicht befolgt werden, lohnt der Blick auf die Organisation dahinter: Wer entscheidet was, welche Widersprüche muss ein Beschäftigter täglich auflösen, und was wird belohnt, wenn Sicherheit und Termin sich widersprechen.

Typische Anlässe

  • Die Zahlen stimmen, das Gefühl nicht. Wenige gemeldete Unfälle, aber jeder im Betrieb weiß von Beinaheunfällen, die nie aufgeschrieben wurden.
  • Nichts wird gemeldet. Kein Meldewesen ist selten ein Zeichen dafür, dass nichts passiert. Meist ist es eines dafür, dass Melden sich nicht lohnt.
  • Zwei Betriebe in einem. Nach einer Übernahme gelten zwei Regelwerke, zwei Gewohnheiten und zwei Vorstellungen davon, was normal ist.
  • Wachstum. Was mit dreißig Leuten über Zuruf lief, funktioniert bei hundertfünfzig nicht mehr, und niemand weiß genau, wann es gekippt ist.
  • Die Beurteilung psychischer Belastung steht an. Sie ist Pflicht nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG und lässt sich nicht sinnvoll über einen Fragebogen erledigen.

Wie gearbeitet wird

Zuerst wird zugehört, und zwar auf mehreren Ebenen: Geschäftsführung, Führungskräfte, Beschäftigte. Dieselbe Lage wird dort verschieden beschrieben, und genau in diesem Unterschied liegt die Information. Die Gespräche führen wir in der Sprache, in der die Leute reden: Deutsch, English, русский, ελληνικά, Türkçe. Wer gefragt wird, ob die Anweisung im Alltag funktioniert, antwortet ehrlicher, wenn er die Frage versteht.

Daraus entsteht ein Bild der Organisation: Wo widersprechen sich Anforderungen, wo fehlen Entscheidungswege, wo wird etwas belohnt, das offiziell nicht gewollt ist. Dann wird gemeinsam entschieden, woran gearbeitet wird. Nicht an allem, sondern an dem, was den größten Unterschied macht.

Woher der Ansatz kommt

Wir arbeiten nach dem personalen Systemansatz von Eckard König und Gerda Volmer. Der Grundgedanke: Was in einem Betrieb passiert, erklärt sich nicht aus einzelnen Personen und ihren Eigenschaften, sondern aus dem Zusammenspiel von sechs Faktoren. Deshalb fragen wir zuerst danach, bevor irgendjemand über Lösungen redet. Unsere Ausbildung dazu haben wir 2024 und 2025 am Wissenschaftlichen Institut für Beratung und Kommunikation in Paderborn gemacht, dem Institut von König und Volmer.

Was im Betriebtäglich passiertPersonenWer ist beteiligt, wer fehltSichtweisenWie sie die Lage deutenRegelnauch die ungeschriebenenMusterwas sich immer wiederholtUmfeldKunden, Termine, KonzernGeschichtewie es dazu gekommen ist

Die sechs Faktoren hängen zusammen: Wer an einer Stelle etwas ändert, verändert die anderen mit. Das ist auch der Grund, warum gut gemeinte Einzelmaßnahmen oft verpuffen.

Grenzen

Organisationsberatung ersetzt keine technische Maßnahme. Wenn eine Absaugung fehlt, hilft kein Gespräch über Kultur, sondern eine Absaugung. Beteiligung darf nicht dazu führen, dass die Verantwortung für Bedingungen, die das Unternehmen setzt, beim Einzelnen landet.

Ablauf

Ein Vorgespräch, dann eine Bestandsaufnahme über zwei bis vier Wochen, dann ein Bericht mit Vorschlägen und eine gemeinsame Entscheidung über das weitere Vorgehen. Umfang und Dauer richten sich nach Betriebsgröße und Fragestellung.

Auch jenseits des Arbeitsschutzes

Die meisten Anfragen kommen über den Arbeitsschutz zu uns, weil wir dort herkommen. Der Ansatz ist aber nicht darauf beschränkt. Übergaben, Zusammenschlüsse, festgefahrene Zusammenarbeit zwischen zwei Bereichen: Wenn du uns dafür holen willst, sprich uns an. Der Vorteil bleibt derselbe. Wir kennen Betriebe von innen und nicht nur aus dem Besprechungsraum.

Auch bei uns

Nächster Schritt

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns an, was bei dir los ist, und sagen dir, ob wir einen Ansatzpunkt sehen.

Zwanzig Minuten, kostenlos, Termin direkt online wählen. Wenn wir nicht die Richtigen sind, sagen wir es dir.

Sebastian Wagner, Gründer des Ingenieurbüros Wagner
Systemischer Organisationsberater und Coach (WIBK), Sicherheitsingenieur, Lehrbeauftragter an der Berliner Hochschule für Technik und an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Fachautor, unter anderem in der Zeitschrift SICHERHEITSINGENIEUR.
Hinter dem EHS-Office steht ein Team aus Sicherheitsingenieuren und Backoffice; Beratung, Unterweisung und Dokumente gibt es auf Deutsch, English, русский, ελληνικά, Türkçe.