Psychische Belastung beurteilen
Die Gefährdungsbeurteilung steht, Lärm und Leitern sind drin. Bei der psychischen Belastung steht ein Satz oder gar nichts.
Manchmal gab es auch schon eine Umfrage. Das Ergebnis liegt in einer Schublade, weil keiner weiß, was daraus folgen soll.
Vom Fragebogen zur Maßnahme
Wir gehen in vier Schritten vor:
- Erheben: ein Fragebogen, Interviews am Arbeitsplatz oder ein moderierter Workshop, je nach Größe des Betriebs.
- Vertiefen: Workshops, in denen alle zu Wort kommen, auch die Stillen. So arbeiten unsere Beteiligungsworkshops.
- Maßnahmen festlegen: mit Verantwortlichen und Terminen, dokumentiert in der Beurteilung der Arbeitsbedingungen.
- Wirksamkeit prüfen: später nachfragen, ob sich etwas geändert hat.
Der Fragebogen zeigt, wo es klemmt. Warum es klemmt und was hilft, erfahrt ihr erst im Gespräch. An dieser Stelle bleiben die meisten Beurteilungen stecken, und dort setzen wir an.
Wir werten Befragungen zur psychischen Belastung aus und erarbeiten mit euch die Maßnahmen daraus.
Das Kleingedruckte
Die Beurteilung der Arbeitsbedingungen muss auch die psychische Belastung bei der Arbeit erfassen (§ 5 Abs. 1 und Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG). Es geht um die Arbeitsbedingungen, etwa Arbeitsinhalt, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung und Arbeitsmittel. Diagnosen über einzelne Menschen gehören nicht hinein.
Ergebnis, Maßnahmen und die Prüfung ihrer Wirkung gehören in die Dokumentation (§ 6 Abs. 1 ArbSchG). Einen bestimmten Fragebogen schreibt das Gesetz nicht vor. Habt ihr einen Betriebsrat, bestimmt er bei der Beurteilung mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG).
Fragen, die immer kommen
Reicht eine Mitarbeiterbefragung?
Sie ist ein Anfang. Die Befragung zeigt, wo es klemmt, aber nicht warum. Für das Warum braucht es Gespräche oder Workshops, erst danach lassen sich Maßnahmen festlegen.
Ab wann müssen wir das machen?
Ab dem ersten Beschäftigten, als Teil der Gefährdungsbeurteilung. Wie aufwendig es wird, hängt von der Größe ab. In kleinen Teams passt oft ein moderierter Workshop besser als ein Fragebogen.
Erfährt die Geschäftsführung, wer was gesagt hat?
Von uns nicht. Befragungen werten wir nur für Gruppen ab fünf Personen aus. Im Workshop gelten Rückfragen dem Modell auf dem Tisch, nicht der Person.
Ist das Arbeitsschutz oder Gesundheitsmanagement?
Arbeitsschutz, es ist Pflicht. Gesundheitsangebote wie Kurse können dazukommen, die Beurteilung ersetzen sie nicht.
Fangen wir mit einer Frage an
Im Erstgespräch klären wir, wo ihr steht und welcher Weg zu eurer Größe passt.
Sebastian Wagner, Gründer des Ingenieurbüros Wagner
Sicherheitsingenieur und Fachkraft für Arbeitssicherheit, Lehrbeauftragter für Arbeitsschutz und psychosoziale Gesundheit an der Berliner Hochschule für Technik.
Hinter ehs-office steht ein Team aus Sicherheitsingenieuren und Backoffice.