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Kennzahlen im Arbeitsschutz, die etwas aussagen

Tausend-Mann-Quote und TRIR stehen in fast jedem Management-Review, manchmal hängen sogar Boni daran. Für eine statistisch belastbare Aussage fallen in den meisten Betrieben aber viel zu wenige Unfälle an.

In zwei Beiträgen für die Fachzeitschrift SICHERHEITSINGENIEUR zeigt Sebastian Wagner, warum das so ist, und woran man Kennzahlen erkennt, mit denen sich ein Betrieb tatsächlich steuern lässt.

SICHERHEITSINGENIEUR 04/2025 und 06/2025 · beide Beiträge zum Lesen als PDF

Teil 1

Sichere Kennzahlen sind (k)eine Utopie

SICHERHEITSINGENIEUR 04/2025, Seiten 29 bis 31

  • Derselbe Unfall zählt in der Tausend-Mann-Quote je nach Wochentag und Krankschreibung mit oder fällt heraus.
  • Für eine sinnvolle Statistik braucht es mindestens 30, besser mehr als 100 Fälle. Ein Betrieb mit ein oder zwei Unfällen im Jahr kommt da nicht hin.
  • Bei 50 Beschäftigten und einem Unfall ergibt sich eine TRIR von 2. Das Vertrauensintervall reicht dabei von 0,35 bis 11,33.
  • Der Severity-Based Lagging Indicator (SBLI) gewichtet Verletzungen nach ihrer Schwere und liefert dadurch aussagekräftigere Trends.

Unfallkennzahlen taugen für das ganze Unternehmen auf Jahresbasis, ohne Nachkommastellen. In Abteilungsziele und Boni gehören sie nicht.

Teil 1 als PDF (340 KB)

Teil 2

Was sind gute Indikatoren?

SICHERHEITSINGENIEUR 06/2025, Seiten 28 bis 30

  • Nachlaufende Kennzahlen messen, was passiert ist. Vorauslaufende zeigen, was getan wird, damit weniger passiert. Für die Steuerung braucht es beide.
  • Verglichen werden vier Quellen: der Leitfaden des Verbands der Chemischen Industrie, VDI 4056, die proaktiven Steuerindikatoren der IVSS zu Vision Zero und der Leitfaden des Campbell Institute.
  • Eine Kennzahl braucht einen Zähler und eine Basis, etwa Arbeitsstunden oder Beschäftigte. Eine reine Zählgröße sagt allein nichts aus.
  • KISS und SMART als Leitplanke: möglichst vorhandene Daten nutzen und die Erfassung so festlegen, dass sie nicht mit dem Urlaub der zuständigen Person endet.

Eine gute Kennzahl kann derjenige, der sie verantwortet, durch eigenes Handeln verändern.

Teil 2 als PDF (273 KB)

Was das für deinen Betrieb heißt

  1. Unfallzahlen einmal im Jahr ansehen, für das ganze Unternehmen und ohne Nachkommastellen. Monatliche Kurven einzelner Abteilungen zeigen vor allem Zufall.
  2. Keine Boni an Unfallzahlen hängen. Sie lassen sich über Krankschreibung und Meldeverhalten verschieben, ohne dass sich an der Sicherheit etwas ändert.
  3. Für die Steuerung vorauslaufende Kennzahlen wählen, die die Verantwortlichen selbst beeinflussen können, etwa erledigte Maßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung oder durchgeführte Unterweisungen je Beschäftigtem.

Das Thema als Vortrag oder im Gespräch

Warum die üblichen Unfallzahlen als Wirksamkeitsnachweis nicht taugen und welche Kennzahlen stattdessen helfen: als Vortrag für Führungskräftetagungen, Verbände und Kongresse, zwanzig Minuten oder ein Nachmittag. Oder konkret für euren Betrieb im Erstgespräch.

Sebastian Wagner, Sicherheitsingenieur und Gründer des Ingenieurbüros Wagner. Fachautor, unter anderem in der Zeitschrift SICHERHEITSINGENIEUR, Referent bei Quentic Vision 2023 und 2025. Fragen zu den Beiträgen gern an wagner@ehs-office.de.